Eine Frau bemerkt auf dem Heimweg einen Unbekannten, der nur wenige Meter hinter ihr geht. Hat er zufällig denselben Weg oder verfolgt er sie? In ihrer Eile achtet die Frau nicht mehr auf ihre Umgebung und wird zum Opfer eines Unfalls. Ihr fortan zersplittertes Gedächtnis kann die Dinge nicht mehr zusammenfügen – Buchstaben, Worte, Definitionen, Formeln oder Gebete. Sie weiß nicht mehr, wofür man Messer und Gabel benutzt, dass man dem anderen das Glas Wasser reicht und nicht über den Kopf schüttet, was ihr Lieblingsgetränk ist, worüber sie lacht, worüber sie weint, wer ihre Mutter ist, wer sie ist. Wenn soziale Konventionen, Prägungen, Beziehungen und Identität nicht mehr existieren, was bleibt noch übrig vom Ich? Kann man sich selbst fremd werden?
Zusammen mit dem Workshop-Kollektiv hat Carla Niewöhner 2015 die Performance Mir selbst Fremder als dramatisches Ringen ums Ich entwickelt. Die zersplitterte Identität hat das kreative Team als bewegtes Wechselspiel zwischen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen inszeniert. Durch die Aufteilung und Wiedergabe der Textpassagen in zufälliger Reihenfolge wird die fragmentarische Erinnerung, Wahrnehmung und Kommunikation der Protagonistin für das Publikum spürbar – gepaart mit der Herausforderung, das Mosaik zum Ganzen zusammenzufügen.
TEXT, EINRICHTUNG, PERFORMANCE
Salem Asfaha, Milena Buncsak, Lucélia da Silva Junker, Carla Niewöhner
MITARBEIT Elisa Ellrott
Im Rahmen des Workshops Gegen alle Regeln der Kunst
LEITUNG WORKSHOP Georg Blokus
PREMIERE 03.07.2015, studiobühne köln
VIDEOSTILLS Till Junker