Ein ungarischer Balletttänzer. Ein syrischer Student. Eine bulgarische Zahnärztin. Ein vietnamesischer Vertragsarbeiter. Ein griechischer Flüchtling. Sie alle haben ihre Heimat verlassen, um sich eine Zukunft in der DDR aufzubauen, einem Land, das es heute nicht mehr gibt. Fast 27 Jahre nach der Wende sehen sie nun, wie sich ihre ganz persönliche Geschichte in den Lebensläufen anderer Menschen wiederholt, die mit ihren Ängsten, Sorgen, aber vor allem Hoffnung nach Deutschland flüchten. Die lebensnahe Szenencollage eröffnet den Zuschauer:innen nicht nur einen Einblick in die Vergangenheit, sondern auch einen Ausblick auf die heutige Flüchtlingssituation: Was braucht es für eine geglückte Integration? Wie können wir ein Miteinander schaffen? Wie wollen wir heute leben?

Für ihr Rechercheprojekt hat Carla Niewöhner Zeitzeug:innen interviewt und die Gespräche als Monologe für die Bühne bearbeitet. Zur Ergänzung mit Originalunterlagen, Literatur, Dokumentationen hat sie auf deren Basis mit einem spielfreudigen Ensemble Szenen improvisiert. Die komplexe Situation der Migrant:innen wird in vielseitigen Szenen über Arbeitsalltag, Einteilung nach sozialistischem Nutzen, exotischer Abendunterhaltung statt Anteilnahme, Schwarzarbeit, Mauerbau, Neuorientierung nach der Wende und in Felix Almes‘ flexiblem Gerüstaufbau widergespiegelt. Gemeinsam mit den persönlichen Berichten der Migrant:innen entsteht so ein anschauliches Panorama der damaligen Zeit. 

PRESSESTIMMEN:

„Mit der Frage, ob der jüngere Hype um dokumentarisches Theater nicht schon wieder abgeebbt ist, muss man sich nicht lange aufhalten. […] Vielmehr gelingt Carla Niewöhner und ihren fünf Schauspielern das Kunststück, die Originalzitate im inszenierten Spiel so zu verknüpfen, dass das Ganze nicht nur zu zwei lehrreichen, sondern vor allem mitreißenden Theaterstunden gerinnt. […] Ihre allesamt beeindruckenden Monologe bilden den Kern des Projekts, was am starken Spiel, darüber hinaus jedoch auch daran liegt, dass die Texte bei aller Leichtigkeit Tiefe haben.“
– Mathias Wöbking, Leipziger Volkszeitung

„Deutschland thront auf hölzernen Beinen. Helmut Kohl parliert vom Opferbringen und den berüchtigten Landschaften. Der Ring sei schließlich montags so voll gewesen, dass der Anfang das Ende überholt hat, meint eine Figur – oder war es andersherum? Beim wiederholten Mauerbau werden der Dramaturgie wegen die Steine vertauscht. Willkommen bei der Probe von ‚Die Sozialistische Nachtigall‘, einem Theaterstück über Migranten in der DDR! Es läuft schon ziemlich rund beim Besuch in der Nato einige Tage vor der Premiere am Freitag. Die fünf Darsteller sind eingespielt, und der Gast wohnt ein paar vielstimmigen Szenen bei, die Sprechtheater mit Drive versprechen. […] Wie ist es ihnen ergangen, was bewegt sie heute? Kann man etwas von ihnen für das Zusammenleben lernen? Das sind Fragen, die das Stück anhand der Lebensläufe und dem eingestreuten historischen Material stellt. Das soll keine Nacherzählung sein, so Niewöhner, so wie es damals war, sondern eher eine anschauliche Einfühlung. Die kann angesichts des Probefragments als gelungen eingestuft werden. […] der Funke sprang über die vierte Wand hinweg in den Zuschauersaal.“
– Tobias Prüwer, Kreuzer

STÜCKENTWICKLUNG Carla Niewöhner

MITARBEIT Ensemble

REGIE Carla Niewöhner
AUSTATTUNG Felix Almes
MITARBEIT RECHERCHE Anne-Sophie Dautz

MIT Corina Hofner, Theresa Neumann, Max Redwanz, Manuel Wagner, Martin Wendig

KO-PRODUKTION die naTo, Leipzig

PREMIERE 15.04.2016, die nato Leipzig

FÖRDERUNG Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Rahmen des Projektes Mein Nachbar war/ist Fremder

VIDEOSTILLS Gabriel Arnold

Gefördert durch: