Als Sophies erste große Liebe Alcest in das Wirtshaus ihres Vaters zurückkehrt, ist die junge Frau zwischen neu aufflammenden Gefühlen und den Verpflichtungen gegenüber ihrem Mann Söller hin- und hergerissen. Denn während der Verehrer zuvorkommend, gebildet und von hohem Stande ist, hat sich ihr Ehemann als ungehobelter und feierfreudiger Verschwender entpuppt. Da Söller sich eines Nachts in Alcests Zimmer schleicht, um mit dessen Geld seine Spielschulden zu begleichen, wird er Zeuge des Rendezvous seiner Frau mit Alcest, sowie dem Einbruch des neugierigen Wirts, der dem Gast hinterherspioniert. Am nächsten Tag beschuldigen sich alle gegenseitig und versuchen herauszufinden, was wirklich in der letzten Nacht passiert ist.
Bei dem Lustspiel zwischen Aufklärung und Commedia dell‘arte, uraufgeführt mit dem selbstkritischen Johann Wolfgang von Goethe in der Rolle des Alcest, hat sich Carla Niewöhner auf die genialen Verse, psychologische Schlaglichter und überbordenden Spielspaß konzentriert. Der spannende Ausgangspunkt für die Inszenierung der gesellschaftskritischen Kriminalkomödie war Goethes Idee, nicht nur die Beteiligten auf der Bühne, sondern auch die Zuschauenden zu Mitwissenden und damit Mitschuldigen zu machen.
PRESSESTIMMEN:
„Mit diesem heute wenig bekannten Stück, welches kaum auf deutschen Bühnen gespielt wird, will Regisseurin Carla Niewöhner das Publikum nicht einfach nur unterhalten, sondern es mit diesem Klassiker der Weltliteratur auch fordern. […] So ist es vor allem die Sprache, die Carla Niewöhner bei ihrer ersten Regiearbeit am Gerhart-Hauptmann-Theater in den Vordergrund stellt. […] Das Herausragende an diesem Theaterabend ist nicht so sehr das, was von den Darstellern an Aktion auf der Bühne vorgeführt wird, es sind diese in den Bann ziehenden Versreime. Sehens- und hörenswert: Martha Pohla gibt ihrer Sophie eine beeindruckende sprachliche Nuancierungsfähigkeit. Die Charakterisierung von Florian Grafs dargestellter Figur Alcest wird erst in der zweiten Hälfte deutlicher, da wirkt sie vitaler, verbal temperamentvoller. Was an der Auseinandersetzung mit Söller liegt. Der Kontrast zwischen beiden wird hier zu einer Art Klassenkampf hochstilisiert, reich gegen arm. Und dazwischen hangeln sich die Darsteller von Eifersucht zu Besitzansprüchen bis hin zu Liebesforderungen. Prägend in diesem Geschehen ist auch Klaus Beyers Figur. Sein Söller leidet im Laufe der 90-minütigen Aufführung heftig an Eifersuchtsqualen, etwa als er Sophie in Alcests Zimmer belauscht […] Man muss sich auf dieses Goethesche Frühwerk einlassen können. Dann ist ,Die Mitschuldigen‘ nicht nur ein anregend-lehrreiches, sondern auch ein unterhaltsames Theaterstück.“
– Rainer Könen, Sächsische Zeitung
TEXT Johann Wolfgang von Goethe
REGIE Carla Niewöhner
AUSSTATTUNG Gretl Kautzsch
DRAMATURGIE Gerhard Herfeldt
MIT Martha Pohla, Florian Graf, Klaus Beyer, Tilo Werner
PREMIERE 23.03.2018, Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau
FOTOS Pawel Sosnowski