Wie viele Stunden bleiben übrig nach einem achtstündigen Arbeitstag, die nicht von beruflichen, politischen und familiären Problemen bestimmt sind? Die fünfteilige Familienserie Acht Stunden sind kein Tag von 1972/73 spielt statt im Mittelstand oder Großbürgertum erstmals im Arbeitermilieu mit sozialpolitischen und ökonomischen Themen. In der ersten Folge verbessert der Werkzeugmacher Jochen die Arbeitsbedingungen in der Fabrik mit einer guten Idee, so dass ein knapp kalkulierter Auftrag noch rechtzeitig fertiggestellt wird. Doch während Jochen eine Prämie erhält, wird den anderen Mitarbeitenden die Leistungszulage nach Entfallen der Mehrarbeit gestrichen. Als Jochen sich in die Zeitungsangestellte Marion verliebt, stellt Marions bürgerliches Umfeld die aufkeimende Beziehung in Frage. Auch die Oma findet mit Gregor ein neues Liebesglück, aber mit ihrer Rente keine neue gemeinsame Wohnung.

Für das Theaterfest zur Spielzeiteröffnung 2012 am Schauspielhaus Bochum hat Carla Niewöhner die szenische Lesung der ersten Folge als unterhaltsame 70er-Jahre-Revue eingerichtet. Die Protagonist:innen der kommenden Inszenierung von Fassbinders Die Ehe der Maria Braun zeigten mit trockenem Humor und temporeichen Accessoire-Wechseln ein lebhaftes Sittengemälde auf 5 qm.

TEXT Rainer Werner Fassbinder

EINRICHTUNG Carla Niewöhner

MIT Bettina Engelhardt, Katharina Linder, Roland Bayer, Raiko Küster, Max Landgrebe

SZENISCHE LESUNG, Theaterfest zur Spielzeiteröffnung, Schauspielhaus Bochum, 2012